Dichtungstechnisches Wissen: Ein VDMA-Förderkreis engagiert sich seit mehr als 10 Jahren.

Prof. Werner Haas, Institut für Maschinenelemente der Universität Stuttgart (IMA)

Dichtungen sind sensible Bauteile aller technischen Produkte. Dies gilt ganz besonders für die pneumatisch oder hydraulisch betriebenen Produkte der Fluidtechnik. Meist sind sie klein, unscheinbar und unsichtbar. Aber trotzdem sind sie unersetzliche Hightech-Produkte.

Dichtungen sind sensible Bauteile aller technischen Produkte. Dies gilt ganz besonders für die pneumatisch oder hydraulisch betriebenen Produkte der Fluidtechnik. Dichtungen sitzen immer an den kritischsten Stellen – an den Trennfugen der Produkte. Meist sind sie klein, unscheinbar und unsichtbar. Aber trotzdem sind sie unersetzliche Hightech-Produkte. Sie müssen ständig den sich ändernden Anforderungen angepasst werden.

Dichtungen bemerkt man im Alltag meist erst dann, wenn sie versagen. Dies führt dazu, dass sie in der öffentlichen Forschungsförderung recht stiefkindlich behandelt werden und kaum Lobby haben. So musste die renommierte Forschungsstelle für statische Dichtungen in der Anlagen- und Verfahrenstechnik an der Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart (MPA) ihren Betrieb schon sehr stark reduzieren. Mangels öffentlich finanzierter Forschungsprojekte und anderer Aufträge besteht sogar die große Gefahr, dass das dortige Referat Dichtungstechnik komplett geschlossen werden muss.

Ohne Forschung gibt es aber auch keine Innovationen. Und ohne entsprechende Hochschulinstitute gibt es auch keine dichtungstechnisch gut ausgebildeten Ingenieure, welche von Dichtungsherstellern, dem technischen Handel und vor allem den Anwendern dringend benötigt werden. Denn gut und lange funktionierende Dichtstellen kann man nicht kaufen – sie werden vom Anwender konstruiert. Kaufen kann man „nur“ das Dichtelement – den Dichtring.

Dies haben Firmen des Arbeitskreises Fluiddichtungen und des Arbeitskreises Dichtungsplatten im Fachverband Fluidtechnik des VDMA erkannt und im Jahr 2006 einen Förderkreis gebildet. Dieser unterstützt seitdem nachhaltig mit Finanz- und Sachmitteln die Forschung und Lehre des Bereiches Dichtungstechnik am Institut für Maschinenelemente der Universität Stuttgart (IMA). Im Fokus der Förderung stehen dabei natürlich Dichtsysteme für die Fluidtechnik. Zwei Mal im Jahr trifft sich der Förderkreis in Stuttgart, wird von der Forschungsstelle über neueste Forschungsergebnisse exklusiv informiert und gibt Anregungen. Dabei entstehen auch bilaterale Kooperationen zu Forschungs-, Entwicklungs-, Mess- und Untersuchungsaufgaben für beide Partner gleichermaßen vorteilhaft sind.

Nur durch einen genügend großen Stamm an erfahrenen Mitarbeitern ist es dem Bereich Dichtungstechnik unter Prof. Werner Haas möglich, die vielen Anfragen nach industrienahen Expertisen qualitativ hochwertig zu bedienen. Dazu trägt das Engagement der Firmen des Förderkreises wesentlich bei.
Auch der Bereich Lehre konnte so ausgebaut werden. So gibt es seit 2015 neu die Vorlesung „Grundlagen der Tribologie“ von Dr. Bauer. Die seit langem etablierte Vorlesung „Dichtungstechnik“, derzeit gehalten von Prof. Haas, wird ständig aktualisiert und den neuesten Forschungsergebnissen sowie den Bedürfnissen der Industrie angepasst. Sie wird, weil grundlagenorientiert und praxisnah, von Studenten sehr gerne gewählt und umliegende Firmen des Förderkreises lassen ausgewählte Mitarbeiter zur Ausbildung daran teilnehmen.

Außerdem bietet das Institut einmal im Jahr ein zweitägiges Dichtungstechnikseminar an, das für Förderfirmen kostenlos ist. Dort werden die Inhalte der Vorlesung geballt in zwei Tagen vermittelt.

Wichtige Forschungsthemen der derzeit 15 Mitarbeiter von Prof. Haas für die Fluidtechnik sind derzeit unter anderem:

  • Beschreibung optimaler Dichtflächen
  • Simulieren der Fluidströmung
  • Beschreibung des Einflusses von Fett und Ermitteln der Temperatur im Dichtkontakt
  • Beschreibung des Einflusses der Oberflächenrauheit von Hydraulikstangen auf Reibung und Leckage
  • Einfluss von Schmierstoffbenetzung auf die Funktion von Stangendichtungen
  • Verhalten von Dichtelementen aus PTFE-CompoundG
  • Geeignete Prüfprozeduren
  • Reibungsminderung und -voraussage
  • Benetzungsvorgänge und deren Einfluss

Mehr Informationen dazu gibt es unter: http://www.ima.uni-stuttgart.de/forschung/bereich_dicht/index.html

Im Rahmen der industriellen Gemeinschaftsforschung bearbeiten die Stuttgarter Dichtungstechniker auch regelmäßig Forschungsprojekte des Forschungsfonds Fluidtechnik im VDMA. Die rund 60 Mitgliedsfirmen des VDMA, die dem Forschungsfonds angehören, greifen branchenbezogene Forschungsthemen im vorwettbewerblichen Bereich auf, vergeben eigenfinanzierte Projekte und unterstützen AiF-Projektanträge.

Wesentlich unterstützt bzw. erst ermöglicht werden die IMA Forschungsaktivitäten aber erst durch das nachhaltige finanzielle Engagement der Firmen des Förderkreises seit nunmehr 10 Jahren. Der Förderkreis ist kein geschlossener Zirkel, sondern für alle Firmen der Fluidtechnik und der nahestehenden Branchen offen.

Firmen, welche die geförderten Aktivitäten und den Bereich Dichtungstechnik am Institut für Maschinenelemente der Universität Stuttgart interessant und/oder nützlich finden, sind eingeladen, dem Förderkreis beizutreten. Sprechen Sie dazu Herrn Dr. Christian Geis vom Fachverband Fluidtechnik im VDMA an. Mit einer Mitgliedschaft unterstützen Sie mit wenig Geld und Aufwand eine innovative und unersetzliche Dichtungstechnik